Die Sache mit dem Cytotec: Teil 2 Die Probleme und Dilemmas

Weiter geht’s im Fall Cytotec. Auf einige Fragen konnten wir Antworten finden, aber dennoch gibt es Probleme und Dilemmas, welche man sich näher anschauen muss.

  • Die Reaktion der Mediziner*innen:

Es dauerte nicht lange, als die ersten offiziellen Reaktionen öffentlich gemacht wurden. Von „schlampiger Recherche“ war die Rede, ebenso von „verunsicherten Schwangeren“. Die DGGG (Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V.) bezog in einer Pressemitteilung Stellung, wo sie den Einsatz von Cytotec verteidigten. Es lägen 80 randomisierte Studien vor bezüglich des Einsatzes von Cytotec in der Geburtshilfe. In der Stellungnahme wird darauf hingewiesen, dass jedes Medikament Nebenwirkungen hat.

Zudem wird in der Stellungnahme hingewiesen, dass bei Risikofaktoren der Einsatz von Cytotec ausgeschlossen wird und sämtliche Komplikationen im Rahmen einer Qualitätserhebung erfasst und weitergeleitet werden.

Leider wird überhaupt nicht auf die Fälle eingegangen, was so manche Frau, die z.B. einen Wehensturm unter Cytotec erfahren musste, sicherlich sauer aufstößt. Betroffene bekommen so das Gefühl vermittelt, ihr Fall wird kleingeredet. Genauso ärgerlich ist, dass die Stellungnahme von zwei Männern verfasst worden ist, was leicht den Eindruck gewinnen lässt, das sich Männer erlauben, den Frauen die Welt zu erklären und was sie brauchen, was okay ist, usw.

  • Die Rahmenbedingungen in Gesundheitssystem:

Es mangelt nicht nur an Hebammen, sondern auch an Ärzten und Pflegekräften. Im Jahr 2004 wurde das DRG-System eingeführt, was nicht ganz unumstritten ist. Die Auswirkungen können wir jetzt erst sehen. Alles, was nicht abgerechnet werden konnte, wurde betriebswirtschaftlich auf Sparflamme gehalten. Es wurde mehr Ärzte eingestellt, da diese vergütbare Leistungen abrechnen können. Pflegekräfte wurden gespart. Hebammen hatten und haben mit steigenden Kosten für Haftpflichtversicherungen zu kämpfen. Diese erschwerten Rahmenbedingungen, zu denen neben Gehalt, geringes Personal, Schichtdienst, Dienste an Wochenende und an Feiertagen, etc. zählen, führen auch dazu, dass diese Berufe so unattraktiv sind.

Die Geburtshilfe trifft das insofern, dass dieses Segment eher schlechter vergütet wird. Eine oral eingenommene Tablette, wie in diesem Fall Cytotec, kostet nur ein paar Cent, hingegen andere Medikamente zur Geburtseinleitung im dreistelligen Bereich liegen könnte. Generell können Geburten, bei denen man intervenieren musste, besser abrechnen. Klingt krank, ist es auch. Eine komplikations- und interventionsarme Geburt ist ein Minusgeschäft.

  • Die Pharmaindustrie und die Studienlage:

Fakt ist, das die meisten Pharmakonzerne kein Interesse haben Medikamente für einen eher kleinen Personenkreis herzustellen. Das betrifft schwangere Frauen und Kinder. Hinzu kommt, dass Studien ethisch vertretbar sein müssen. Es ist ethisch nicht vertretbar, an schwangere Frauen und Kinder Medikamente zu testen bzw. diese mit Krankheiten bewusst zu infizieren um Medikamente zu testen. Daher werden viele Medikamente in diesen Bereichen aufgrund von bisherigen Erfahrungen eingesetzt.

Wie geht es jetzt weiter? Welche Gefahren und Probleme drohen uns nun? Mehr dazu in Teil 3.

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