Die Revolution wird blutig – Teil 3 – Das Interview mit Social Period e.V.

Das Thema Menstruation ist sehr stark in unserer Gesellschaft tabuisiert. Kaum einer redet öffentlich davon, was menstruierende Menschen brauchen. Oder wie stark sie stigmatisiert werden. Zu den allgemeinen Problemen rund um die Periode kommen in vielen Fällen erschwerende Faktoren dazu. Der Verein Social Period e. V. macht auf einen dieser Erschwernisse aufmerksam und will das ändern.

Liebe Undine und liebe Katja, bitte stellt euch doch kurz vor.

Befreundet sind wir gefühlt schon immer. Katja hat super viel Energie, Undine denkt in die Zukunft. Das wollten wir nutzen. 2019 haben wir daher und aus dem Bedürfnis heraus, etwas zurückgeben zu wollen, Social Period e.V. gegründet.

Katja und Undine – Gründer*innen von Social Period e.V.

Im Zuge eurer, zum Teil ehrenamtlichen, Arbeit musstet ihr feststellen, dass „period poverty“ ein real existierendes Problem ist. Wo fängt denn diese Art von Armut an und wo hört sie auf?

Der Begriff Periodenarmut oder „period poverty“ macht auf das Phänomen, dass viele Menstruierende einen erschwerten Zugang zu Menstruationsprodukten haben, aufmerksam. Für obdach- und wohnungslose Menschen ist es zum Beispiel viel schwieriger, an Menstruationsprodukte zu kommen, auch weil ihnen oft das Geld fehlt, Binden und Tampons zu kaufen. Wir bezeichnen dieses Phänomen auch als „period gap“. Als privilegierte Menschen, die dieses Problem nicht haben, würden wir uns nie herausnehmen zu definieren, wo Periodenarmut anfängt und wo sie aufhört. Viel wichtiger ist es an dieser Stelle, mit betroffenen Akteuren selbst ins Gespräch zu kommen. Periodenarmut beginnt beispielsweise dann, wenn man sich aktiv entscheiden muss, ob man sich ein Menstruationsprodukt vom zur Verfügung stehenden Geld kauft oder etwas anderes Lebensnotwendiges. Dies ist eine Geschichte, die wir in Notunterkünften in Berlin gehört haben. Periodenarmut hat aber ganz unterschiedliche Gesichter und es gibt keinesfalls eine eindeutige Definition.

Wohnungslose Menschen haben es ohnehin nicht leicht in unserer Gesellschaft. Wenn diese auch noch ihre Menstruation haben, wird es besonders schwierig. Was sind die häufigsten Hürden für diese Menschen?

Neben fehlenden Ressourcen gibt es da natürlich noch die Tatsache, dass obdach- und wohnungslose Menschen in entsprechenden Einrichtungen zwar (begrenzt!) Zugang zu Menstruationsprodukten haben. Hier müssen sie aber aktiv danach fragen. Diese Entblößung ist etwas, womit privilegierte Menschen natürlich nicht zu kämpfen haben.

Ihr habt aufgrund all dieser Probleme den Verein Social Period e.V. gegründet. Was ist eure Vision?

Nach Artikel 1 des UN-Sozialpakts hat jeder Mensch das Recht auf einen angemessenen Lebensstandard. Für uns gehört das Recht auf einen uneingeschränkten Zugang zu Menstruationsartikeln ganz klar dazu. Wir träumen von einer Welt, in der Periodenarmut kein Thema mehr ist, und jeder für jeden einsteht.

Wie kann man eure Arbeit am besten Unterstützen?

Das ist ganz einfach. Spendet Menstruationsprodukte in unsere Spendenboxen. Zudem suchen wir ständig Freiwillige in Berlin, die mit uns gemeinsam die Weiterleitung der gespendeten Menstruationsprodukte zu den Einrichtungen, die obdach- und wohnungslose Menschen unterstützen, organisieren. Und natürlich sammeln wir gerade mit unserer Spendenkampagne bei StartNext Geld für den Bau weiterer Spendenboxen.

Welche Projekte, neben den Boxen, habt ihr mit euren Verein noch geplant?

In Zukunft freuen wir uns mehr zur Enttabuisierung der Periode beitragen zu können. Das wollen wir vor allem mit verstärkter Öffentlichkeitsarbeit erreichen. Zudem sind noch einige Veranstaltungen zum übergreifenden Thema der Periodenarmut in Kooperation mit ganz tollen Partnern bis zum Ende des Jahres geplant. Seid gespannt!

Letzte Frage: Popcorn oder Chips?

Popcorn im Kino. Chips immer.

Danke für das Interview!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.