Living Dolls – Warum junge Frauen heute lieber schön als schlau sein wollen (Buchrezension)

Living Dolls – Warum junge Frauen heute lieber schön als schlau sein wollen

Autorin: Natasha Walter

Verlag: Fischer Taschenbuch

Ich weiß nicht, wie es euch so geht, aber es gibt Dinge da kratzt man sich am Kopf. Da schießen einem tausend Fragen durch das Hirn. Man grübelt, aber man kommt nicht drauf. Beispiel: Warum wollen so viele junge Frauen und Mädchen Influencerin werden? Oder bei Germanys Next Topmodel mitmachen? Da haben wir Generationen von Frauenrechtler*innen zu verdanken, dass Mädchen und junge Frauen wesentliche Rechte haben und ihnen viele Türen offen stehen, und dann sowas.

Die britische Journalistin und Feministin Natasha Walter geht diesen, bzw. sehr ähnlichen, Fragen in ihrem Buch auf dem Grund. Sie beleuchtet geschickt, wie Frauen zwar Rechte bekommen haben, aber dennoch auf Grenzen stoßen. Natasha zeigt auf, wie wir auf dem Papier zwar alle gleich gestellt sind, aber noch immer in alten Gedankenmustern feststecken. Und zwar alle! Sie stellt provokant die Frage, wie freiwillig eine Teilnahme bei diversen Shows und „Modelwettbewerben“ wirklich ist. Sie legt den Finger in die Wunde der Gesellschaft, die vieles mit Glitzer und Glamour übertüncht.

In der zweiten Hälfte ihres Buches knöpft sie sich die Wissenschaft und die Medien vor. Erbarmungslos und fundiert recherchiert reißt sie dabei die Fassade herunter, in der Medien und einigen Wissenschaftler*innen Rollenklischees als natürlich-biologisch verkaufen. Gekonnt zeigt sie auf, das vieles in unserer Gesellschaft, nach wie vor von überholten patriarchalen Vorstellungen geprägt ist. Vor allem die Medienlandschaft, die auf den Zug von fragwürdigen Studien aufspringt.

Das Buch ist eine Pflichtlektüre! Für alle! Wenn sich die Gesellschaft ändern soll, dann kommen wir nicht an diesem Buch mit seinen Erkenntnissen vorbei. Einziges Manko, es beschreibt stark die Gesellschaft und die Gegebenheiten von Großbritannien. Das ist nicht immer eins zu eins auf andere Länder zu übertragen.

Die Wertung lautet daher: 4 ½ Tampons von 5.

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