Podcast-Empfehlung: Das böse F-Wort

Nach einigen Lesetipps gibt es heute mal was auf die Ohren. Meine Podcast-Empfehlung ist daher „Das böse F-Wort“, ein junger und erfrischender Podcast. Ich habe die Macherin Viktoria dahinter mal befragt:

Liebe Viktoria, welches Wort ist böser? Fuck oder Feminismus?

Ich fluche leidenschaftlich gerne, deswegen ist für mich keins der beiden Wörter wirklich böse. Eigentlich ist aber natürlich „Fuck“ das bösere Wort von beiden. Denn Feminismus sollte meiner Meinung nach heutzutage keine negative Konnotation mehr haben. Da das leider aber aktuell noch nicht der Fall ist und der Begriff Feminismus nach wie vor in vielen Kreisen verschrien ist, möchte ich in meinem Podcast ein bisschen Image-Arbeit betreiben. Feminismus sollte kein böses Wort mehr sein.

Feminismus ist ja was sehr Angestaubtes für viele. Oft erntet man damit ja eher verdrehte Augen. Warum braucht es deiner Meinung nach noch immer den Feminismus?

Weil Frauen nach wie vor weltweit nicht gleichberechtigt sind. Natürlich kommt es stark auf das Land an, wie viele Rechte Frauen haben. In Europa sind wir sicher schon sehr viel weiter als beispielsweise im mittleren Osten. Fakt ist aber, dass auch in Deutschland Menschen aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert werden. Das fängt beim Gender Pay Gap an und geht bis hin zu häuslicher Gewalt. Jeden dritten Tag stirbt in Deutschland eine Frau durch Gewalt eines Partners oder Ex-Partners. Es gibt aber auch wesentlich subtileren Sexismus, der für Außenstehende nicht sofort erkennbar ist. Wenn Frauen im Beruf nicht so ernst genommen werden, wie ihre männlichen Kollegen. Oder sie unangenehme Komplimente bekommen. Wenn sie nachts auf der Straße von Männern abgebaggert werden und ihnen hinterhergepfiffen wird. Vielen Männern ist nicht bewusst, wie die Lebensrealität von Frauen wirklich aussieht, mit was sie sich alles herumschlagen müssen. Einige sind geschockt und fast ungläubig, wenn Frauen ihnen erzählt, wie viel Sexismus ihnen im Alltag begegnet. Der Prozess mit Harvey Weinstein ist ein absolutes Sinnbild dafür, wie groß zum Beispiel die Dunkelziffer sexualisierter Gewalt ist.

Es gibt unendlich viele strukturelle Benachteiligungen von Frauen und anderen Minderheiten in unserer Gesellschaft und bis nicht alle gleichberechtigt, sicher und frei von Geschlechterklischees leben können, brauchen wir Feminismus. Außerdem möchte ich betonen, dass es bei Feminismus nicht nur um Frauen geht. Auch Männer leiden unter den gesellschaftlichen Rollenbildern, die vorschreiben, wie sich ein „echter Mann“ zu verhalten hat. Feminismus bedeutet für mich gelebte Diversität und davon profitieren am Ende alle!

Welches Klischee über Feminist*innen nervt dich am meisten?

Mich nerven eigentlich alle Klischees, da ich von Schubladendenken nicht viel halte. Wenn ich mich auf eins festlegen müsste, dann ist es, dass FeministInnen verklemmt und humorlos sind. Alle FeministInnen, die ich kenne, sind super aufgeschlossene und lustige Menschen. Ich denke, das Problem ist, dass wir einfach keine Lust haben, über dumme sexistische Sprüche zu lachen, und wir deswegen oft als humorlos abgestempelt werden.

Welche Ungerechtigkeit geht dir am meisten auf den Wecker? Was würdest du sofort ändern?

Am problematischsten finde ich, dass Frauen und Minderheiten in unserer Gesellschaft unterrepräsentiert sind und das Wort eines alten weißen Mannes meist wertvoller scheint, als das einer Frau. Die lauten Stimmen in Diskursen sind größtenteils Männer und sie befinden sich mehrheitlich in den Machtpositionen. In den Medien sind sie die Wortführer, die gesellschaftliche Debatten lenken. In der Politik sind sie es, die Entscheidungen für uns alle treffen. So urteilen beispielsweise Männer darüber, inwieweit Abtreibung legal sein sollte, obwohl sie dieses Problem nie im Leben betreffen wird. Damit Frauen gehört werden, müssen sie gefühlt doppelt so laut sein wie ihr männlicher Gegenpart. Damit sie in eine Machtposition gelangen, müssen sie doppelt so hart kämpfen und mehr dafür aufgeben. Und sind sie dort angekommen, werden sie trotzdem noch mit anderem Maße gemessen. Man muss sich nur mal ansehen, wie oft über Angela Merkels Äußeres diskutiert wird, als wäre das relevant für ihre politischen Fähigkeiten. Die Entscheidungsträger unserer Gesellschaft geben ein sehr homogenes Bild ab: Weiß, alt und männlich. So lassen sich diskriminierende Strukturen nur schwer durchbrechen.

Podcasts sprießen derzeit an allen Ecken und Enden. Was bietet dein Podcast, was andere nicht haben?

Ich denke, was mich von den meisten anderen feministischen Podcasts unterscheidet, ist meine Herangehensweise an Themen. Viele Formate richten sich eher an Menschen, die sich schon ein bisschen mit Feminismus auskennen und die auch politisch interessiert sind. Ich möchte gern diejenigen ansprechen, die sich mit dem Thema bisher nicht so auseinandergesetzt haben und zeigen, dass es nicht den einen „richtigen“ Feminismus gibt, sondern wir alle FeministInnen sein können – egal für was wir uns sonst noch so interessieren. Feminismus sollte kein exklusiver Club sein, aber für viele ist er sehr abschreckend, gerade weil er ein sehr politisches, extremes Image hat. Ich gehe die Sache locker an und bringe alles auch mit ein bisschen Humor rüber. Was Feminismus bedeutet, verdeutliche ich anhand alltäglicher Themen, ohne zu tief in die Theorie zu gehen. Und vor allem möchte ich zeigen: Everybody is welcome!

Woher nimmst du deine Ideen für deinen Podcast? Wie viel Zeit brauchst du für eine Folge?

Die Ideen kommen eigentlich von selbst. Ich spreche ja nur über Themen, die mich sowieso privat interessieren und beschäftigen und die Liste für die geplanten Folgen ist sehr lang. Da es eigentlich ein Gesprächsformat sein soll, macht mir die Corona-Krise aktuell einen kleinen Strich durch die Rechnung. Da Treffen mit anderen Leuten momentan nicht möglich sind und ich ungern alles über Telefon und Co. aufnehmen möchte, bleibt es momentan noch bei Selbstgesprächen. Aber das wird sich ganz bald ändern, es sind schon einige Gesprächspartner*innen in der Pipeline. Wie viel Zeit ich für eine Folge brauche, hängt ganz davon ab, wie intensiv die vorherigen Recherchen ausfallen. Man bereitet sich natürlich etwas vor und überlegt, was man alles erzählen möchte. Wobei für mich die technische Umsetzung momentan noch am zeitintensivsten ist. Ich bringe mir ja alles selbst bei und habe – bis auf einen kurzen Exkurs beim Uni-Radio – keine Erfahrungen mit Aufnahmetechnik, Schnitt und so weiter. Deswegen dauert das, was für erfahrene Podcaster ein, zwei Handgriffe sind, bei mir noch mehrere Stunden.

Was ist deine persönliche Empfehlung (Buch, Musik, Film, etc.) für die Menschen da draußen?

Es gibt so viele tolle feministische Bücher, Filme, Serien und Künstler. Da wir alle momentan mehr Zeit zu Hause verbringen und etwas mehr lesen und Serien schauen, werde ich auch im Podcast ein paar Folgen zu Empfehlungen einbringen. Ganz oben auf meiner Liste sind die Bücher von Margarete Stokowski („Untenrum frei“ und „Die letzten Tage des Patriarchats“) und Sophie Passmann („Alte weiße Männer“). Außerdem liebe ich die Comedians Caroline Kebekus, Amy Schumer und Deborah Frances-White. Sie sind die besten Beispiele dafür, dass feministische Inhalte auch super witzig sein können. Die letzte tolle feministische Serie, die ich gesehen habe, ist „Fleabag“. Außerdem war ich früher ein riesiger Fan von „Girls“.

Letzte Frage: Schokolade oder Vanille?

Definitiv Schokolade. I´m not a vanilla kind of girl. 😉

Danke fürs Interview! Hört doch mal in diesen wunderbaren Podcast rein. Ihr werdet es nicht bereuen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.