Zum 200 Geburtstag von Florence Nightingale – Internationaler Tag der Krankenpflege

Am 12. Mai findet, seit 1965, weltweit der Internationale Tag der Krankenpflege statt. Das dies zufällig der Geburtstag von Florence Nightingale ist, kommt nicht von ohne. Die „Lady with the lamp“, wie sie auch genannt wurde, ist die Begründerin der modernen westlichen Krankenpflege.

Ihre Biografie und die Forschung

Ihre Biographie ist bemerkenswert und es ist bis heute schier unglaublich, was diese Frau geschafft hat. Ihr Wirken ist bis heute spürbar und von ihr ist bis heute nur ein Bruchteil bekannt. Die Fachzeitschrift „Die Schwester – Der Pfleger“ des DBfK (Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe) widmet ihr eine Ausgabe dieses Jahr. In der Ausgabe ist ein Interview mit Christine Hallett, Professorin für Pflegegeschichte an der Universität Huddersfield in Großbritannien, zu lesen. Frau Hallett gibt im Interview etwas an, was mich erschütterte:

„Nightingale wurde traurigerweise von revisionistischen Historikern – also Fachleuten, die allgemein anerkannt geltende historische Erkenntnisse infrage stellen und neu bewerten – ins Visier genommen. Anscheinend wollten sie Nightingale als „Ikone der Krankenpflege“ vom Podest stoßen. Meiner Ansicht nach wurde sie jedoch von ihnen falsch interpretiert. So ist beispielsweise nicht zutreffend, dass Nightingale gegen eine angemessene Aus- und Weiterbildung von Krankenpflegerinnen gewesen sein soll. Nightingale hatte in der Tat erhebliche Bedenken in Bezug auf die Professionalisierung der Krankenpflege – ein Prozess, der während des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts in beträchtlichem Maße voranschritt. Sie hatte Sorge, dass die Krankenpflege ihren Status als eine Aufgabe, die in erster Linie auf Moral und ethischer Reinheit basiere, verliere und zu etwas werde, das Frauen einfach tun könnten, wenn sie eine Prüfung abgelegt hätten. […] Manche Historiker betrachteten Nightingale unfairerweise zudem als Kontrahentin der jamaikanischen Krankenpflegerin und Autorin Mary Seacole, […]. Man warf ihr vor, Seacole aufgrund ihrer Hautfarbe zu diskriminieren. Hierfür gibt es jedoch keinen konkreten Beweis. Diejenigen, die derartige Anschuldigungen vorbrachten, haben entweder den Kontext der damaligen Zeit nicht verstanden oder nicht sauber geforscht.“

(Lücke, Die Schwester – Der Pfleger, 05/2020, S. 13)

Was wir nur ohne sie wären…

Fakt ist, ohne Florence Nightingale, wären wir, die Pflege, nicht da, wo wir jetzt sind. Der Versuch, sie schlechter dastehen zu lassen, ist unverschämt. Von ihren Schriften, Briefwechseln und Aufzeichnungen ist bisher nur wenig der Öffentlichkeit bekannt. Wir stecken hier noch immer in der Forschung. Ihr Aufsatz „Cassandra“ist ein wichtiges Schriftstück des Frühfeminismus, das nur die wenigsten kennen.

Im internationalen WHO-Jahr der professionell Pflegenden und Hebammen, bekommt Florence Nightingale eine besondere Bedeutung zu. Die Pandemie mit Corvid-19 wird uns nämlich noch lange begleiten. Es war Nightingale, die sich massiv für eine bessere Versorgung der verwundeten Soldaten im Krimkrieg einsetzte. Diese Forderung nach einer besseren Versorgung fing bereits bei ausreichend sauberer Bettwäsche an (und wer kennt nicht den Spruch „Der Dekubitus beginnt mit einem schlecht gemachten Bett.“).

Was ich mir wünsche für die Pflege

Ich wünsche mir, dass jede Pflegekraft, die Florence Nightingale in sich entdeckt. Ich wünsche mir, dass jede Pflegekraft sich für eine bessere Versorgung der Patienten einsetzt, und zwar so stur und vehement, wie Nightingale. Ich wünsche mir, dass jede Pflegekraft die „Moral und ethische Reinheit“ vertritt, die es dieser Tage braucht, vor allem wenn es um Rassismus, Sexismus und Faschismus geht. Ich wünsche mir, dass die Bevölkerung erkennt, wie wichtig Pflegekräfte sind.

Ich wünsche einen schönen Internationalen Tag der Krankenpflege.

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