Coronavirus vs. Begleitperson – Wer darf in den Kreißsaal?

Viele Menschen haben bereits den Sinn des Kontaktverbots und der Ausgangssperre verstanden (natürlich gibt es auch noch immer Ausnahmen). Das die Besuche in Alten- und Pflegeheimen, sowie in Einrichtungen der Behindertenhilfe eingeschränkt werden müssen, da dort die Risikogruppe lebt, ist auch klar. Das die Krankenhäuser ihre Besuchszeiten einschränken und die Menschen von Besuchen abraten, das ist auch nachvollziehbar.

Die Ausnahmefälle

In den Krankenhäusern gibt es natürlich immer noch die Ausnahmefälle, die nicht von der Coronakrise betroffen sind. Das wären Sterbefälle und Geburten. In diesen besonderen Momenten will keiner gerne allein sein. Es sind Situationen, in denen man äußerst verletzlich ist. Es sind einschneidende und auch prägende Erlebnisse. Dies ist auch der Regierung bewusst und deswegen machte sie hierbei eine große Ausnahme.

Die Realität

Dennoch häufen sich die Meldungen über verschärfte Maßnahmen, die in manchen Kliniken scheinbar getroffen werden. Es gibt Kliniken/Kreißsäle, die die Anwesenheit des Ehepartners bzw. einer Begleitperson aus hygienischen Gründen derzeit verbieten. Die feministische Journalistin und Autorin Teresa Bücker twitterte bereits darüber. Aus beruflicher Erfahrung kann ich das bestätigen. Da ich selbst auf einer gynäkologischen-geburtshilflichen Station arbeite, kommen mir diese Aussagen von den werdenden Müttern zu Ohren. Kreißsäle, die weiterhin eine Begleitperson erlauben, werden überrannt.

Warum das alles problematisch ist?

Weil wir neben dem Pflegenotstand auch einen eklatanten Hebammenmangel in Deutschland haben. Wer soll denn die werdende Mutter begleiten, betreuen, unterstützen, motivieren, trösten, etc., wenn nicht der Ehepartner oder eine andere Begleitperson? Hebammen müssen meist mehrere Gebärende betreuen, akribische Dokumentation leisten, CTGs von Schwangeren schreiben, Aufnahmegespräche führen, usw. Dabei einer Frau, die eventuell das erste Kind bekommt, stundenlang die Hand halten, das ist kaum möglich. Vor allem bei Frauen bei der ersten Geburt oder bei Frauen, wo die Geburt eingeleitet werden muss, kann sich das von mehreren Stunden über Tage hinweg ziehen. Das Pflegepersonal kann dies auch kaum leisten, da einige für Quarantäne-Stationen, Fieberambulanzen, etc. gebraucht werden, und bereits von geburtshilflichen Stationen abgezogen wurden.

Was wäre also die beste Lösung?

Na klar, die werdenden Mütter müssen vom Ehepartner oder einer anderen Begleitperson unterstützt werden. Voraussetzung ist natürlich, dass die unterstützende Person gesund ist. Nicht ständig zwischen Wohnort und Klinik pendelt. Einen Mundschutz trägt (es geht auch ein selbst genähter). Hauptsache ist, dass gebärende Frauen in dieser sensiblen Phase nicht allein gelassen werden.

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