Gedanken zum 1.Mai im Jahr der Coronapandemie

Die Geschichte des 1. Mai als Tag für Arbeit, Tag der Arbeiterbewegung und/oder als Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse hat eine lange Tradition. In vielen Ländern, aber längst noch nicht allen, ist es ein gesetzlicher Feiertag. Die ersten Massendemonstrationen für bessere Arbeitsbedingungen entstanden 1884 und 1885. Am 1. Mai 1886 riefen Gewerkschaften in Chicago zum Streik auf um eine Arbeitszeit von zwölf auf acht Stunden zu reduzieren. Der Streik ging blutig zu Ende und ging als Haymarket Riot/Haymarket Massacre in die Geschichte ein. Dies war der Grundstein für den Internationalen Kampftag der Arbeiterklasse.

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Deutschland und der 1. Mai

In Deutschland hat dieser Feiertag seine ganz eigene Geschichte, die unter anderem im Nationalsozialismus einen bitteren Beigeschmack bekam. Adolf Hitler nutze auch diesen Tag geschickt für seine Propaganda, während er Gewerkschaften gleichschalten ließ und deren Vermögen beschlagnahmte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der 1. Mai als Feiertag von den alliierten Kräften bestätigt, aber nur mit hohen Auflagen erlaubt. In der DDR wurde dieser Tag aufwendig mit Paraden zelebriert. Heutzutage finden von Gewerkschaften, Berufsverbänden, Vereinen und Parteien Kundgebungen und Demonstrationen statt. Viele kennen auch die Ausschreitungen in Berlin-Kreuzberg, die eine ganz eigene Historie haben.

1.Mai 2020 – alles ist anders

Im Jahr 2020 läuft alles ein bisschen anders. Die Kontaktbeschränkungen und die Eingriffe in die Grundrechte, aufgrund der Coronapandemie, machen viele geplanten Aktionen zunichte. Und dennoch ist dieser 1. Mai wichtiger denn je. Die Krise zeigt deutlich, wo es überall in unserer Gesellschaft hapert. Während einige Vorgesetzten jahrelang ihren Mitarbeiter*innen erzählt haben, das Home Office nicht möglich ist, ist es nun plötzlich zur Pflicht geworden. Neben Kinderbetreuung und Home Schooling wohlgemerkt. Gerade jetzt wird sichtbar, wie schlecht die Care-Arbeit verteilt ist, zu Lasten von Frauen. Während Frau Annegret Kramp-Karrenbauer als Verteidigungsministerin in den USA Kampfjets shoppen geht, ist für Millionen systemrelevanter Arbeiter*innen lediglich Applaus von den Balkonen übrig. Trotzdem können wir alle uns für bessere Arbeitsbedingungen, faire Löhne, Frieden, Menschenrechte, einen besseren Sozialstaat, etc. einsetzen.

Wie sich trotzdem politisch engagieren?

Meine Ideen:

1.Einer Gewerkschaft/Berufsverband beitreten.

2.Sich für den Betriebsrat/Mitarbeitervertretung bei der nächsten Wahl aufstellen lassen. Wenn es so was bei euch nicht gibt, holt euch Unterstützung von Gewerkschaften zur Gründung eines Betriebsrates.

3.Informiert euch über die Parteiprogramme vor den Wahlen. Lasst euch nicht von den knackigen Parolen blenden, sondern lest deren Programme. Überlegt, was deren Konzepte in der Sozialpolitik, etc. für euch konkret bedeuten. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Kolleg*innen im Bereich Pflege und Betreuung die Unionsparteien, FDP und sogar AfD wählen, und gleichzeitig über mangelnde Unterstützung/Anerkennung/Respekt/etc. seitens der Politik jammern.

4.In meinem Blogartikel „Entlastungsanzeigen in der Pflege … trotz Coronakrise“ habe ich über die Entlastungsanzeigen geschrieben. Scheut euch nicht eure Arbeitgeber auf massive Probleme (die zu Lasten von Arbeiter*innen und Klient*innen/Kund*innen gehen) aufmerksam zu machen.

5.Solidarisiert und unterstützt euch. Wir sitzen am Ende alle im selben Boot. Macht euch nicht gegenseitig fertig. Lasst euch nicht vom Kapitalismus blenden. Lasst nicht zu, dass man euch gegenseitig ausspielt.

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