„Unser täglich Fleisch gib uns heute…

…und vergib uns unsere schuldhafte Fähigkeit des Wegsehens. Denn auch wir vergeben dem Kapitalismus. Und führe uns stets in Versuchung und erlöse uns vom veganen schlechten Gewissen der Fridays-For-Future-Kids und der Arbeiter*innenklasse.“

Schlachthöfe – Hot-Spots für Infektionen

Die Schlachthöfe weltweit entwickeln sich zunehmend zu Infektions-Hotspots für Corvid-19. Menschen riskieren ihre Gesundheit und ihr Leben, das Otto-Normal-Verbraucher weiterhin sein Billig-Fleisch täglich essen kann. Die Bedingungen in deutschen Schlachthöfen sind seit Jahren bekannt. Kaum ist ein Skandal aufgedeckt, verschwindet dieser sofort in Versenkung, ehe die Politiker wirklich aktiv werden müssen.

Wenn nicht nur Tiere geschlachtet werden, sondern auch Arbeitnehmerrechte

Die Firma Westfleisch steht, neben weiteren Schlachthöfen, stark im Focus der Berichterstattung. Im Werk selbst ist nur ein kleiner Teil der Arbeiter*innen in einem regulären Arbeitsverhältnis angestellt. Etwa 70 – 80% der Belegschaft sind mit Werksverträgen von Subunternehmern angestellt. Diese Werkverträge haben es in sich. Einen Kündigungsschutz gibt es nicht. Die Löhne sind niedrig und meist unter dem gesetzlichen Mindestlohn. Die Arbeiter*innen stammen meist aus Osteuropa und leben in Massenunterkünften, die der Arbeitgeber zur Verfügung stellt. Die Miete wird vom Lohn gleich abgezogen. Wer krank wird, wird nicht weiter bezahlt. Es gibt Schlachthöfe, wo Arbeiter*innen auch die Schutzkleidung (Messer, Schürze, Handschuhe) selbst bezahlen müssen. In den Unterkünften leben mehrere Menschen in einem Raum. Es gibt Gemeinschaftsbäder und –küchen. Eine Einhaltung von Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen ist nicht möglich. Die Arbeiter*innen stehen in einem massiven Abhängigkeitsverhältnis zu ihren Arbeitgebern. Das sind absolut inakzeptable Verhältnisse. Nur die Politik sieht seit Jahren zu. Die von Hubertus Heil geforderten Kontrollen sind mehr als überfällig, hängen aber auch mit dem Sparkurs der letzten Jahre zusammen.

Weltweites Problem, auch in den USA

Die Situation in den Schlachthöfen in den USA ist ähnlich prekär. Hier haben die mangelnden Hygienemaßnahmen in den Schlachthöfen und den Unterkünften bereits Todesopfer verlangt. Corvid-19 verbreitet sich dort in einem rasanten Tempo unter den Arbeiter*innen. Präsident Donald Trump zwingt zwar die Betriebe zur Aufrechterhaltung, aber dafür geht er auch über Leichen. Denn die meisten Arbeiter*innen sind für ihn unbedeutend, womöglich, weil es Migrant*innen sind. Hauptsache der Herr Präsident kann seinen geliebten Burger weiter essen. Unterdessen müssen sich sowohl die Supermärkte und Fast-Food-Lokale überlegen, wie sie mit den Lieferengpässen umgehen.

Massenunterkünfte in Schlachtbetrieben – ein neue Art von Ghetto?

Der Irrsinn kommt aber noch, zumindest in Deutschland. Die derzeitigen Lockerungsmaßnahmen sehen vor, dass einzelne Landkreise strengere Auflagen bekommen, sollte eine gewisse Anzahl von Infizierten überschritten werden (aktuell 50 Infizierte auf 100.000 Einwohner). Da nun in den Landkreisen mit den betroffenen Schlachthöfen dies geschieht, wenden die Politiker einen Trick an. Die Menschen in den Massenunterkünften bleiben zusammengepfercht in Quarantäne, damit die Bevölkerung weiterhin alle neu gewonnen Freiheiten genießen können.

Da ist er wieder, der Verbraucher

Wie kann man damit also umgehen? Laut der Ministerin Julia Klöckner ist sowieso der/die Verbraucher*in an der Misere schuld. Die Menschen geben, laut ihrer Meinung, zu wenig Geld für gute Nahrungsmittel aus. Blöderweise hat sie selbst neulich mit Sternekoch Johann Lafer medienwirksam Billigfleisch für Bild-TV gekocht. Anstatt ständig auf Freiwilligkeit zu beharren und sich von Lobbyisten hofieren zu lassen, könnte Frau Klöckner verbindliche gesetzliche Standards in der Nahrungsmittelherstellung festlegen. Anstatt sich über die Grünen mit ihrem Veggie-Day in Kantinen lustig zu machen, wäre eine Bildungsoffensive in Sachen Ernährung gut, aber bitte ohne Nestlé und Co. Die SPD, allem voran Hubertus Heil, ist endlich am Zug, diesen prekären Verhältnissen in Schlachthöfen endgültig den Garaus zu machen. Jeder schiebt den schwarzen Peter weiter, in der Hoffnung nicht selbst verantwortungsvoll Handeln zu müssen. Uns Verbraucher*innen bleibt nur die Möglichkeit unser eigenes Verhalten zu reflektieren und entsprechend unser Kaufverhalten zu ändern.

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