Wenn Kapitalismus krank macht – Maskenpflicht wird zur politischen Farce

Stell dir vor, du bist Pflegekraft in einem Krankenhaus. Dann passiert etwas, womit in diesem Ausmaß keiner gerechnet hat. Eine weltweite Pandemie bricht aus. Zuerst ist alles weit weg. Dann, gibt es die ersten Fälle in deinem Land, zudem noch in deiner Region. Die Regierung tut alles, um diesen Menschen zu helfen. Die Infektionskette wird unterbrochen, die Menschen sind genesen. Alles gut. Der Gesundheitsminister vertritt die Meinung, alles wäre nicht so schlimm und die Ansteckungswahrscheinlichkeit ist sehr gering.

Zudem wird der Bevölkerung immer wieder versichert, man wäre gut auf so was vorbereitet und man hätte „das weltbeste“ Gesundheitssystem.

Vom „weltbesten“ Gesundheitssystem hinein ins Chaos

Aber dann kommt alles anders. Plötzlich gibt es viele Fälle, und die Gesundheitsämter kommen nicht hinterher, die Infektionsketten nachzuverfolgen. In der Zwischenzeit häufen sich Berichte, das Mund-Nasen-Schutzmasken, FFP2-Masken und FFP3-Masken, sowie Händedesinfektionsmittel in Apotheken und Online-Versandhäusern so gut verkauft werden wie noch nie. Von Hamsterkäufen ist die Rede. Und irgendwann auch davon, dass diese Schutzkleidungen und Desinfektionsmittel ausverkauft sind, Nachlieferungen lassen auf sich warten. 

Zeichnung von Johanna

Was Angst&Panik mit Menschen macht

Plötzlich gehen Gerüchte herum, über Arztpraxen, in denen diese Materialien geklaut werden. Im Internet blüht der Handel damit, zu gesalzenen Preisen. In deinem Krankenhaus gibt es plötzlich eine offizielle Anweisung von deiner Pflegedirektion und der Geschäftsführung, wo und wie man diese Sachen zu lagern hat, wann und an wen sie ausgegeben werden. Du wunderst dich, aber man erzählt dir, dass Besucher und Patienten, dass mittlerweile alles mitnehmen, weil es in den Geschäften nichts mehr gibt.

Mittlerweile gibt es immer mehr Erkrankte, die entsprechend versorgt werden müssen. Deine Klinik bereitet sich, so gut es geht, darauf vor, aber Schutzkleidung ist Mangelware. Es entfacht sich eine Diskussion in der Klinik darüber, wer was braucht und warum. Das die neue Quarantäne-Station, die Notfallambulanz, die Intensivstation und der OP-Bereich das am dringendsten benötigen, ist allen klar. Aber die Angst der restlichen Belegschaft wächst. Zudem werden zu wenige Menschen auf die Krankheit getestet. Es ist nicht klar, wer erkrankt ist und wer nicht.

Hygiene – Adé

Man einig sich darauf, diese Einmalprodukte (Betonung liegt auf EINMAL) mehrfach oder länger herzunehmen, als es ursprünglich hygienisch erlaubt ist. Zudem holt man sich die Bevölkerung ins Boot, die das Krankenhaus mit selbst genähten Mundschutz-Spenden versorgt. Im öffentlichkeitswirksamen Stil setzen sich der Landrat und der zuständige Versorgungsarzt in Szene. Vor große und langersehnte Lieferungen mit Schutzkleidung, die fair im Landkreis an Arztpraxen, Pflegeheime und die Klinik verteilt werden, sind die beiden zu sehen. Natürlich mit begehrten FFP3-Masken.

Die Politik sieht sich, nach Wochen mit Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverboten, in der Verantwortung die Wirtschaft des Landes zu retten. Sie führt daher die Maskenpflicht ein.

Die Maskenpflicht wird zur politischen Farce

Sehr verwundert hat es mich, als die Stadt Pfaffenhofen a. d. Ilm  am Samstag, den 25.04. für ihren Wochenmarkt bereits eine Maskenpflicht für die Bürger eingefordert hat. Über Social-Media und die Lokalzeitung wurde dies mitgeteilt, hieß es von der Kreisstadt. Leider waren viele nicht darüber informiert. Es hat eben nicht jeder die Lokalzeitung abonniert oder nutzt die Sozialen Medien. Das muss der Stadt Pfaffenhofen klar gewesen sein, denn sonst hätte der Marktstand der Firma MedPro GmbH keinen Sinn gehabt.

Dort wurden sowohl Mund-Nasen-Schutzmasken, FFP2-Masken, FFP3-Masken, sowie Händedesinfektionsmittel an die Bevölkerung verkauft. Viele Kartons mit Ware waren dort zu sehen. Auf die Nachfrage, warum sie diese begehrten Einmalprodukte, die für Kliniken, Arztpraxen und Pflegeheime so wichtig wären, an die Bevölkerung verkauft werden. Mit einem Schulterzucken wurde mir mitgeteilt, man habe auch an die ortsansässige Klinik Schutzkleidung verkauft. Beim Nachhaken, ob diese Produkte nicht besser an die Kliniken etc. verkauft werden sollen, zu einem angemessenen Preis, weil die Bevölkerung mit selbst genähte Mundschutz-Masken ausreichend versorgt wären, wurde ich wieder darauf hingewiesen, man habe eben ja auch an die Klinik verkauft.

Mund-Nasen-Schutzmasken – wer sich´s halt leisten kann

Die Preise an diesem Stand waren nicht ohne. Eine Packung mit 50 einfachen Mund-Nasen-Schutzmasken kostete 50€. Das sind pro Stück 1€. Vor der Pandemie war der Preis bei ca. 0,05€ pro Stück, bzw. für eine Packung 2,50€. Kliniken, Praxen und Pflegeheime haben für diese Materialien auch nur ein begrenztes Budget. Der Sparkurs der letzten Jahre der Regierung hat diese Misere verursacht. Die Firmen machen derweil den großen Reibach.

Das Einsparen von Leistungen des Sozialstaates wurde voran getrieben, während man steuerliche Kaufanreize für die Autoindustrie auf die Agenda setzte. Während die Arbeiter*innen in Gesundheitssystem ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzten, wird ernsthaft darüber diskutiert, ob die Fußball-Bundesliga Geisterspiele durchführen darf. Natürlich müssen dafür die Spieler getestet werden. Dafür benötigt werden rund 20.000 Tests. Und das, wo bereits jetzt Expert*innen immer wieder betonen, das in Deutschland generell zu wenig Menschen auf Covid-19 getestet werden. Mitarbeiter*innen im Gesundheitswesen werden noch seltener getestet. Eine Branche, die seit sehr langer Zeit unter Fachkraftmangel, zunehmender Arbeitsbelastung leidet und auf zunehmende Risiken für Patienten hinweist, muss endlich von der Politik gehört werden.

Ich fordere daher:

1.Schluss mit der Privatisierung des Gesundheitssystems.

2.Sofortige Einführung einer Pflegekammer in Deutschland.

3.Gezielte und systematische Förderung von Frauen, Transgender, Menschen mit Behinderung und Menschen mit Migrationshintergrund durch Arbeitgeber im Gesundheitswesen.

4.Keine Profite mit Gesundheitsschutz.

5.Förderung von Aus-, Fort- und Weiterbildungen von Pflegekräften im eigenen Land, anstatt Abwerbung von Pflegekräften im Ausland. Unser Pflegenotstand darf nicht durch die Verursachung von Pflegenotständen in anderen Ländern behoben werden.

6.Bessere Bezahlung und bessere Rahmenbedingungen für Mitarbeiter*innen im Gesundheitswesen.

7.Ein Gesundheitssystem, das von den Mitarbeiter*innen gestaltet wird.

8.Eine verstärkte politisch-solidarische Bildung für Studenten und Auszubildende im Gesundheitswesen.

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