Wie man revoluzzt und dabei zu Hause putzt *…

*(frei nach Erich Mühsam)

Die Überschrift hat zwar das Motto „Reim dich oder ich fress dich“, denn es müsste eigentlich eher heißen: „Wie man revoluzzt und dabei trotzdem in Quarantäne ist, oder im Homeoffice, im Rahmen der Ausgangsbeschränkungen lebt, … usw.“

Die Coronakrise macht viele Ungereimtheiten, Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten dieser Welt derzeit sichtbar. Wer auf Social Media unterwegs ist, Podcasts hört und so manche Zeitung aufschlägt, weiß das.

Vor Corona war das alles gefühlt einfacher. Raus auf die Straße, demonstrieren gehen, Plakate hochhalten, Flashmobs organisieren, Flyer verteilen, etc. Aber jetzt? Mitten in der Krise? Wie kann man seinen Unmut ausdrücken?

Meine Vorschläge hab ich für euch zusammen getragen:

  • Schreibt eure* Abgeordnete*n:   

Richtig gelesen. Schreibt eure* Abgeordnete*n, der für euren Wahlkreis zuständig ist. Das gilt für eure* Abgeordnete*n im Bundestag und im Landtag.

Schreibt für was sie sich bitte einsetzen sollen, z.B. für eine Entprivatisierung des Gesundheitssystems, für eine bessere Vergütung von „systemrelevanten“ Jobs, bessere Renten für systemrelevante Jobs, Einführung von Pflegekammern, bessere finanzielle Unterstützung für Künstler und Kleinbetriebe, Gleichberechtigung von Frauen & Transgender& Homosexuelle usw, das sie mehr Menschen aus den griechischen Flüchtlingslagern holen (#leavenoonebehind), usw. usw.  

Wie oft solltet ihr schreiben? Am besten jeden einzelnen Tag. Per Mail, Brief, Fax, was auch immer. Abgeordnete in Bundestag oder Landtag, sind euer Sprachrohr, eure Vertreter*innen in den politischen Parlamenten. Welche*r Abgeordnete*r im deutschen Bundestag für euch zuständig ist, könnt ihr hier erfahren. Für die deutschen Landtage könnt ihr beim jeweiligen Bundesland nachgucken (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen, Sachsen Anhalt, Thüringen, Brandenburg, Niedersachsen, Rheinland- Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Saarland, Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Berlin, Bremen).

Für Schweizer Leser*innen geht das natürlich auch.

Ebenso wie für Österreicher*innen.

Schreibt, mailt und faxt, was ihr könnt. Flutet die Parlamente mit euren Forderungen für eine bessere Welt nach der Coronapandemie. Die Politiker*innen können nämlich jetzt bereits daran arbeiten.

  • Straßenkreide & Co.:

Spaziergänge sind ja nach wie vor erlaubt. Wer Kinder hat, kann sich sicherlich von denen die Straßenkreide ausleihen. Statt Transparenten, wie man sie von Demonstrationen kennt, malt eure Botschaften bunt und gut sichtbar auf die Straße. Hängt eure Transparente und Botschaften von Balkons oder aus euren Fenstern.

  • Social Media und das liebe Internet:

Die meisten von euch, besitzen einen Account für Social Media Kanäle. Nutzt diesen und schreibt dort Politiker*innen. Ihr findet irgendwo auf Social Media rechtsextremistische, rassistische, sexistische oder faschistische Propaganda? Meldet dies Accounts, gebt ihnen klares Kontra. Ebenso bei Kommentaren, fragwürdiger Art. Je mehr Rechtsextremist*innen sich frei im Internet bewegen können, umso mehr können sie dort ungehindert ihre Propaganda verbreiten. Lasst das nicht zu. Widersprecht in Kommentaren. Seid nicht Teil der schweigenden Mehrheit.

Vielleicht findet ihr etwas Zeit und Muße, einen Blog zu gründen oder als Gastschreiber für Blogs und Internetmagazine zu schreiben. Traut euch. Twittert, blogt, liked, repostet was das Zeug hält.

  • Spenden:

Viele von euch sind vielleicht derzeit arbeitslos, in Kurzarbeit oder wissen generell nicht, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen. Hier ist der Spendenaufruf natürlich nicht so einfach umzusetzen.

Für alle anderen wäre es natürlich möglich. Sucht euch ein oder zwei Herzensangelegenheiten aus, die ihr finanziell unterstützen wollt. Egal ob Tierschutz (die meisten Tierheime sind dringend auf Spenden angewiesen), für große Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, Frauenhäuser, Hospizvereine … was auch immer.

  • Neues Konsumverhalten:

Die Coronakrise lehrt uns auch, unseren Konsum zu überdenken. Braucht es jetzt wirklich ein neues Smartphone, wenn das alte noch funktioniert? Wie viele T-Shirts, Ketten, Taschen, Schuhe, Nagellacke usw. brauche ich wirklich? Muss ich alles bei Amazon bestellen, oder ist der Service von kleinen Laden nebenan vielleicht besser? Wäre Zero-Waste/Low-Waste nicht viel vorteilhafter bei geschlossenen Wertstoffhöfen? Auch wenn sich die Natur gerade durch die gedrosselte Wirtschaft erholt, es liegt an uns, ob es dabei bleibt. Es ist unsere tagtägliche Entscheidung, wieviel von dem unnötigen Luxus wir wirklich brauchen und auf was wir verzichten können. Wenn das alles vorbei ist, dann umarmt euch, feiert, lacht und küsst euch, aber verfallt nicht in einen riesigen Konsumrausch. Ein „weiter so“ kann und darf es nicht mehr geben.

Welche Ideen habt ihr noch?

2 thoughts on “Wie man revoluzzt und dabei zu Hause putzt *…

    1. Danke für deine Ideen.
      Leserbriefe gehen immer.

      Wer denkt, das kommunalpolitisch nur in Gremien, Gemeinderäten/Stadträten geht, der irrt.
      Von Unterschriften sammeln, über Ramadama-Aktionen, Ehrenämter übernehmen, etc. es gibt viel, was man auch vor Ort machen kann.

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