Entlastungsanzeigen in der Pflege … trotz Coronakrise

Machen wir uns allen nichts vor. Es gibt sie, die „infrastrukturkrischen“ Berufe, die derzeit geforderter sind als andere. Angefangen bei Verkäufer*innen im Einzelhandel, vor allem in den Supermärkten, bis hin zu den vielen Postbot*innen und Paketlieferdiensten. Die Lage ist ernst, und sie kann sich stündlich wechseln. Im Gegensatz zu Italien stehen wir NOCH gut da.

An vorderster Front sind natürlich diejenigen, die in den Arztpraxen, Rettungsdiensten und Krankenhäusern arbeiten. Sie geben gerade alles und ihr Bestes, damit kranke Menschen bestmöglich versorgt sind. Denn neben dem Coronavirus, gibt es noch andere Krankheiten, die behandelt gehören.

Coronavirus und das deutsche Gesundheitssystem

Da unser deutsches Gesundheitssystem eines ist, in dem viel Geld drin steckt, ist es auch leider ein sehr ineffizientes. Traurig aber wahr. Wir haben in unserem Gesundheitssystem viel Geld, das aber an falscher Stelle eingesetzt wird, und damit verpufft. Die Privatisierung des Gesundheitssystems, schlecht umgesetzte Reformen und sinnlose Aktionen, haben seit vielen Jahren zu der Misere beigetragen. Das Geld fließt in einige wenige Taschen, während andere die Arbeit leisten und um jeden Cent betteln müssen. Das geht alles zu Lasten unserer Gesundheit (von Patient*innen und Fachkräften). Die Coronakrise macht das nun sichtbar.

Es muss sich was ändern …

Es muss sich was ändern. Langfristig und nachhaltig. Es ist nicht nachhaltig Fachkräfte für das Gesundheitssystem aus anderen Ländern zu holen. Denn sonst stehen diese irgendwann vor demselben Problem, wie wir jetzt.

Eine Möglichkeit des Protestes und ein äußerst wichtiger Schritt für Krankenhausmitarbeiter*innen, vor allem für Pflegekräfte, ist die Entlastungsanzeigen (a.k.a. Überlastunganzeige).

Achtung folgende Tipps sind nicht als Rechtsberatung zu verstehen!!!!!!

Was ist eine Entlastungsanzeige?

Bei einer Entlastungsanzeige oder einer Überlastungsanzeige, macht ihr schriftlich euren Arbeitgeber auf Probleme aufmerksam. Das sind Probleme, die euch oder andere gesundheitlich oder sicherheitsmäßig gefährden.

Muss ich eine Entlastungs-/Überlastungsanzeige schreiben?

Ja, wenn dir solche Probleme auffallen, die dich und andere massiv gefährden, bist du sogar gesetzlich dazu verpflichtet (§15 und §16 des Arbeitsschutzgesetzes).

Ich habe Angst, das mich mein Vorgesetzter danach unter Druck setzt o.ä.

Kommunikation ist das A und O in einer solchen Situation. Kontaktiert euren Vorgesetzten (Pflegedirektion, Pflegedienstleitung) über die Zustände und bittet um Unterstützung. Schildert ruhig und sachlich die Situation und erwähnt, dass ihr aus rechtlichen Gründen eine Überlastungsanzeige schreibt. Das ist nicht persönlich zu nehmen, sondern hat auch was mit der Haftung zu tun. Ihr könnt auch immer euren Berufsverband oder euren Betriebsrat dazu holen

Bin ich aus der Haftung, wenn ich eine Überlastungsanzeige geschrieben habe?

Nein, auf gar keinen Fall! Für das was ihr im Dienst macht, habt ihr eine Durchführungsverantwortung.

Warum das Ganze nun? Ist das nicht ein bisschen übertrieben in einer Krisensituation?

Nein, eine Überlastungsanzeige ist wichtig. Ihr macht euren Arbeitgeber auf Missstände aufmerksam. Dieser hat auch die Möglichkeit darauf zu reagieren und diese zu beseitigen. Aufgrund des Pflegenotstands natürlich nicht machbar, aber er kann das Ganze mal nach oben weitergeben. An die Konzernchefs, Politiker, etc. denn es ist deren verschulden. Vielleicht ändert sich ja mal was, wenn Regressansprüche auch diejenigen treffen, die an dieser Misere Schuld haben, und nicht die „kleine“ Pflegekraft.

Liebe Kolleg*innen kämpft nicht nur gegen das Virus, kämpft weiterhin für bessere Arbeitsbedingungen!

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