Und täglich grüßt der Sexismus

Wie alltäglich ist denn Sexismus wirklich? Das „Männerwelten“-Video von Joko und Klaas hatte schließlich den Eindruck vermittelt, dass Sexismus etwas ist, was täglich und permanent geschieht (vor allem auf dem Sender Pro Sieben). Leider ist das traurige Realität. Sexismus ist wie Rassismus, ein strukturelles Problem. Diese Strukturen finden sich in jedem einzelnen Menschen, aufgrund der Sozialisation. Dadurch wird Sexismus von Generation über Generation weitergegeben und findet immer wieder Platz in unserer Gesellschaft. Sexistischen Verhalten, Gedankengut und Äußerungen sind daher Alltag und für uns, leider, eine Selbstverständlichkeit. Manchmal ist Sexismus sehr offensichtlich und manchmal leider nicht. Manchmal wird der Kampf gegen Sexismus unterstützt und manchmal gibt es einen Shitstorm. Ich habe für euch zwei Beispiele zusammengestellt, die alltäglichen Sexismus zeigen.

1. Das Donaulied

In vielen Zeitungen und Fernsehbeiträgen wurde von der Petition gegen das Donaulied berichtet. Das Donaulied ist ein altes Volkslied, das davon erzählt, wie ein junger Mann an der Donau entlang spaziert und dort ein schlafendes Mädchen entdeckt. In einer Version des Liedes wird das Mädchen vergewaltigt, während es in einer anderen Version durch den Vergewaltigungsversuch wach wird und mit dem Geschlechtsverkehr einverstanden ist. Beide Versionen sind entsetzlich.

Es wird die Vergewaltigung verherrlicht bzw.  wird der Vergewaltigungsmythos aufrechterhalten. Damit wird Gewalt gegen Frauen verharmlost, Täter entschuldigt und Opfer bloßgestellt. Das Hauptargument, es wäre eben ein traditionelles Volkslied, greift nur mäßig. Tradition bedeutet, die Überlieferung und Weitergabe von Handlungen und Verhaltensweisen. Da stellt sich die Frage, ob wir das an andere Generationen so weitergeben wollen. Welche Art von Volk sind wir denn, wenn wir so etwas besingen? Die Petition war ziemlich erfolgreich und die Aktionsgruppe, die sie ins Leben gerufen hat, formiert sich gerade zur Bürgerinitiative „#bierzeltsexismus – Aktion gegen Bierzelt-Sexismus“.

2. Das sexistische Café

Seit Herbst vergangenen Jahres ist dieses „Statement“ im Schaufenster des Ladens „Lost Weekend“ (eine Mischung aus Café, Buchhandlung und Veranstaltungsort) zu sehen.

Tja, wie liest sich das wohl für Menschen, die sich sehnlichst ein Kind wünschen, aber es leider nicht klappt? Wie liest sich das für Menschen, die ein Kind haben und nebenher gerade studieren und das Geld knapp ist? Wie ist das für Menschen, die als Eltern komplett überfordert sind? Die Liste an Fragen könnte man ewig fortsetzen. Frauen werden hier auf ihre reproduzierende Tätigkeit herabgestuft und es ihnen auch noch schön geredet. Peinlich ist auch, dass der Laden sich auch mit der Schriftzug „Love kills Capitalism“ schmückt. Liebe wäre ja schön, aber der Kapitalismus fördert die ungleiche und unbezahlte Verteilung der Care-Arbeit. Merkwürdig ist, dass der Laden, obwohl er im Universitätsviertel der Stadt befindet, kaum Gegenwind von den Studenten bekommt bzgl. des Schaufensters. Auf Instagram gab es bereits vereinzelte Postings darüber, aber das Schaufenster ist geblieben. Generell gilt: GET THE FUCK OUT OF MY UTERUS!

Eure Beobachtungen bitte!

Sexismus ist, wie man an den Beispielen sehen kann, etwas sehr alltägliches in unserer Gesellschaft. Wir sehen, dass Sexismus ein strukturelles Problem ist. Wer diese Arten von Sexismus wahrnimmt, darf sie mir gerne schreiben.

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