Die letzte Reise der Sternenkinder

TRIGGERWARNUNG: Folgender Blogbeitrag setzt sich mit der Thematik rund um den Tod und Frühabort auseinander. Dies kann für Menschen mit starkem Kinderwunsch, Totgeburt Erlebnissen, mehrere Abgänge in der Früh- und Spätschwangerschaft, Abtreibungen, etc. äußerst belastend sein.

Was geschieht mit Sternenkindern? Wo finden sie ihre letzte Ruhe?

Diese Frage taucht oft auf. Ich finde es wichtig, dass sie gestellt werden. Und ich finde es noch wichtiger,  Antwort darauf zu geben.

Was geschieht mit den Sternenkinder, die bis zur 16 Schwangerschaftswoche versterben?

Normalerweise werden die Sternenkinder in die Pathologie gebracht. Dort untersucht man sie, um herauszufinden, ob es einen Grund für ihren Tod gab. Gründe kann es viele geben, z. B. genetische Anomalien, Fehlbildungen, Probleme mit der Plazenta usw. Manchmal gibt es darauf keine Antwort. Die Ergebnisse werden an betreuende gynäkologische Praxis weitergegeben. Wenn man keine pathologische Untersuchung wünscht, sollte man dies vor der Kürettage sagen.

Manchmal passiert es, dass in der Pathologie „das Zellmaterial“ für die Untersuchungen aufgebraucht wird. Vorher kann ein Paraffin-Block angefertigt werden.

Was geschieht mit den Sternenkinder, die nach der 16 Schwangerschaftswoche versterben?

Diese Kinder werden entweder im Kreißsaal oder im Patientenzimmer zur Welt gebracht. Auch sie können pathologisch untersucht werden.

Ab hier wird vor allem auf das Gewicht (500 g und mehr) und auf die Schwangerschaftswoche geachtet (ab der 24 Schwangerschaftswoche). Diese zwei unveränderlichen Größen entscheiden darüber, ob das Bestattungsrecht greift oder eben nicht (gilt nur für Deutschland).

Bild von Johanna aus der Ausstellung „Scheintot“ des Medizinhistorischen Museums

Wo werden Sternenkinder begraben?

In vielen Städten und Kommunen gibt es mittlerweile auf den Friedhöfen ein Gräberfeld für Sternenkinder. Hier können Kliniken, Pathologien oder die Betroffenen Fehlgeburten (unter 500g) bestatten. Dies ist auch mit dem oben genannten Paraffin-Block möglich. Die Bestattung ist auch in einem eigenen Familiengrab zulässig. Alles ganz ohne Bestattungsinstitut, Geistlichen oder großer Trauergemeinde.

Bei Kindern, die lebend zur Welt gekommen sind, bevor sie starben oder über 500 g gewogen haben, greift das Bestattungsrecht. Die Bestattung muss über ein Beerdigungsinstitut laufen und es braucht hierfür ein Grab. So hart das nun vielleicht klingen mag, aber das ist nicht zwingend selbstverständlich. Gräberfelder für Sternenkinder gibt es nicht überall. Manche Kliniken und Pathologien lassen die Sternenkinder zusammen mit anderen organischen Materialien einäschern und bestatten das alles anonym.

Überzeugung braucht Zeit und harte Arbeit

Hier braucht es enorm viel Überzeugungsarbeit und ehrenamtliches Engagement. Politiker müssen überzeugt werden, Aufklärungsarbeit muss laufen und ein Netzwerk muss aufgebaut werden.

Das Personal, das ohnehin schon knapp in den Kliniken ist, sollte sich dieser Frauen und der Sternenkinder annehmen. Standards müssen geschrieben werden. Das Personal sollte regelmäßig geschult und sensibilisiert sein. Die Zusammenarbeit mit der Pathologie, den Ärzten, den Hebammen und der Klinikseelsorge ist zwingend notwendig, damit man die Betroffenen auffängt und den Sternenkindern Respekt zollt.

Eine Arbeit, die sich lohnt.

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