Was einen (be-)hindert… – Über einen Petitions-Kampf gegen Bürokratie

Nichts ist zermürbender, als sich mit Behörden und Ämter auseinanderzusetzen. Ein Formular hier, eine Unterschrift da, die Kopie von da und der Nachweis von dort. Manchmal hat man alles ausgefüllt, und es fehlt etwas, was vorher nirgendwo stand, wovon man keine Ahnung hatte. Fragt man den/die zuständige*n Sachbearbeiter*in, dann bekommt man zu hören, dass dies Problem bekannt ist, aber man noch auf die Überarbeitung des Formulars wartet. Oder man muss bei jeder Behörde seine Angaben und Anträge machen, weil wegen Datenschutz die deutschen Behörden sich nicht untereinander austauschen dürfen.

Bürokratischer Spießrutenlauf

Das ist ätzend und macht keinen Spaß. Der tägliche Gang zum Briefkasten wird zum Spießrutenlauf, weil man oft auf Bescheide angewiesen ist. Vor allem, wenn es um Geld geht, das einem sogar noch rechtlich zusteht.

Einen Antrag auf Erteilung eines Antragformulars…“ Reinhard Mey

Auch vor Kranken- und Pflegekassen macht das alles keinen Halt. Mühsam wird ein Antrag verfasst, dann wird erst mal abgelehnt, dann ein Widerspruch eingelegt, dann kommt eine Überprüfung durch den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) usw. Wenn man Pech hat, geht das alles wieder von vorne los. Diese Art von bürokratischem Prozedere kosten betroffenen Menschen enorm viel Zeit, Energie und Lebensfreude. Viele abgelehnte Entscheidungen sind auch nicht nachvollziehbar.

Was soll das?

Was bedeutet dies für Betroffene? Oftmals verzögern sich Therapien, weil Hilfsmittel nicht genehmigt werden oder weil die Bearbeitung der Krankenkasse so lange dauert. Für Angehörige wird es zunehmend auch schwieriger, wenn Hilfsmittel fehlen oder sie wieder Unterstützung bei einem Brief oder einer Therapiefahrt machen müssen. Ärgerlich ist es auch, wenn Bescheide rein auf der Aktenlage heraus entschieden werden. Da sitzt jemand und guckt sich die Akte an und entscheidet dann, das braucht dieser Mensch und das eben nicht. Ohne diesen Menschen kennengelernt zu haben. Oder mit ihm/ihr und dem direkten Umfeld in Kontakt getreten zu sein. Krass oder? Inklusion und Integration sehen anders aus.

Die Petition der Pfaffenhofener Familie

Die Pfaffenhofener Familie Lechleuthner will das nicht mehr länger akzeptieren und hat eine Petition gestartet. Sie sind müde von diesem ganzen Bürokratie-Wahnsinn, wenn es um ihren Sohn geht. Ihr Sohn kam mit einem unklaren Hirnschaden auf die Welt. Das allein ist schon eine enorme Herausforderung. Das Letzte, was man braucht, ist ein ständiger Kampf um die einfachsten Dinge.

Behinderung geht uns alle was an

96% aller Behinderungen entstehen durch Krankheiten und Unfälle im Laufe des Lebens. Was Familie Lechleuthner seit Jahren widerfährt, könnte jeden anderen von uns auch treffen. Also: Unterstütz die Petition!

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